Heizkostenabrechnung: Zusätzliche Schnittstelle zum Kunden

Jahrzehntelang war der Markt für die Heiz- und Nebenkostenabrechnung fest in der Hand der drei großen Messdienstleister: Drei von vier Abrechnungen kamen aus ihren Händen und es sah lange so aus, als würde sich daran nichts ändern. Doch nun kommt Schwung in den Markt. Immer mehr Stadtwerke entdecken die Heizkostenabrechnung als mögliches neues Geschäftsfeld. Darauf haben auch die Hersteller von Branchensoftware reagiert, wie etwa die Wilken Software Group.

Dieser Fachartikel wurde exklusiv für die BWK 04/2019 verfasst.

Ein wichtiger Treiber für die neue Attraktivität der Heizkostenabrechnung ist das neue Messstellenbetriebsgesetz MsbG. Ab dem Jahr 2021 kann danach der Vermieter als Anschlussnehmer für alle Strom-Zählpunkte einer Liegenschaft den Messstellenbetreiber auswählen. Voraussetzung ist, dass neben Strom mindestens eine zusätzliche Messstelle der Sparten Gas, Fernwärme oder Heizwärme über das Smart-Meter-Gateway gebündelt wird. Zudem dürfen für die betroffenen Anschlussnutzer keine Mehrkosten im Vergleich zum getrennten Messstellenbetrieb entstehen. Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass sich viele Unternehmen der Wohnungswirtschaft derzeit intensiv mit der Rolle des wettbewerblichen Messstellenbetriebs (wMSB) beschäftigen, um so die direkte Schnittstelle zum Kunden zu besetzen. Für Versorgungsunternehmen bietet sich hier dagegen die Chance, mit ganz neuen Bündelangeboten auf dem Markt zu kommen.

„Stadtwerke haben jahrelange Erfahrung in Sachen Energieabrechnung und genießen in der Regel ein hohes Vertrauen. Dies ist bei den klassischen Messdienstleistern oft nicht mehr der Fall. Was liegt also näher, als sich auch hier künftig als Partner der Wohnungswirtschaft zu positionieren, um diese beim Aufbau der Abrechnungsexpertise zu unterstützen.“

Gerd Gillich, verantwortlich für das Produktmanagement Versorgungswirtschaft bei der Wilken Software Group.

Verstärkt wird dieser Trend durch die Bemühungen des Gesetzgebers, für mehr Wettbewerb beim Submetering zu sorgen, aber auch durch die neue Energieeffizienz-Richtlinie der EU, die mehr Transparenz durch die digitale Verbrauchsmessung fordert. „Die Entwicklung eines entsprechenden Moduls für die Heiz- und Nebenkostenabrechnung war deswegen eine logische Konsequenz für einen Anbieter, der sich wie wir als Partner der Versorgungswirtschaft versteht“, so Gillich.

Auch die Abrechnungsprozesse bündeln

Um auch preislich eine Alternative zu den traditionellen Messdienstleistern darstellen zu können, kommt es vor allem auf die Prozessintegration an. „Gerade vor dem Hintergrund des Smart-Meter-Rollouts macht es künftig absolut keinen Sinn mehr, Abrechnungsdaten über unterschiedliche Schnittstellen einzusammeln. Vielmehr rechnet sich ein Smart-Meter-Gateway deutlich besser, wenn künftig die Messwerte aller Sparten darüber fließen, neben dem Strom auch für Gas, Wasser und insbesondere für die Heizwärme“, so Gillich. Aus seiner Sicht muss dabei der gesamte Wertefluss betrachtet werden, vom Zähler über das Gateway bis hin zu den operativen Systemen. Diese tiefe Integration hatte Wilken schon zuvor bewogen, mit der P/5 SMGA-Suite eine eigene Lösung für die Gateway-Administration zu entwickeln. Aber auch die Umgebung jenseits der Gateways muss betrachtet werden. Dazu gehört das Submetering, also die Sammlung der Messdaten im Haus – beispielweise über LoRaWAN oder Wireless M-Bus. Hier setzt Wilken ebenso wie bei der Gateway-Administration auf die Expertise des Dienstleisters meterpan, der Tochter des langjährigen Partners IVU Informationssysteme.

Ganzheitliche Angebote

Auch sonst rät Gillich bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle über den Tellerrand hinauszuschauen. So können für die Wohnungswirtschaft nicht nur Dienstleistungsangebote für die Heiz- und Nebenkostenabrechnung sinnvoll sein, sondern beispielsweise auch der Aufbau und die Abrechnung von Mieterstrommodellen. Auf diese Weise können sich Versorger als ganzheitliche Partner der Wohnungswirtschaft etablieren, die deutlich mehr bieten, als ein reiner Messdienstleister. „ Dabei geht es für das Stadtwerk nicht unbedingt darum, die komplette Prozesslandschaft aus dem Stand abzuwickeln“, erklärt Gerd Gillich. Die unterschiedlichen Prozesse lassen sich jederzeit ganz oder teilweise auslagern, ohne dass es für den Endkunden spürbar wird. Dies zeigt auch das Beispiel der Vattenfall Energy Solutions: Vattenfall arbeitet in Sachen Mieterstrom seit Jahren mit Wilken PRO zusammen, der gemeinsamen Dienstleistungstochter von Wilken und der Factur Billing Solutions aus Aachen. Vattenfall konzentriert sich dabei vollständig auf Produktmanagement, Marketing und Vertrieb der entsprechenden Angebote. Die komplette Abwicklung erfolgt im Hintergrund als Full-Service – bis hin zur Marktkommunikation oder dem Ex-und Inkasso. „Analog lässt sich so etwas auch für die Heizkostenabrechnung abbilden, gewissermaßen als ‚White-Label“-Dienstleistung“, erläutert Gerd Gillich.

Die Heizkostenabrechnung mit Wilken P/5

Die Wilken P/5 Heiz- und Nebenkostenabrechnung unterstützt die Verteilung der Kosten bei Gas-, Öl- und Stromheizung sowie Fernwärme nach Verbrauch und Wohnfläche. Auch die Zuordnung der weiteren Heiznebenkosten – wie Kaminkehrer, Wartung, Betriebsstrom oder Batterien – ist abgebildet. Zwischenabrechnungen für unterjährige Mieterwechsel werden prozessual unterstützt. Neben der Berücksichtigung von Kalt- und Abwasser gehört auch die Abrechnung weiterer Nebenkosten, wie Breitbandkabel, Müllgebühren, Allgemeinstrom, Hausversicherungen, Steuern & Abgaben sowie Hausmeister oder Gartenpflege, zum Funktionsumfang. Die Benutzeroberfläche sowie die Visualisierung der Daten sind webbasiert.

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