Lohnt es sich noch, im Garten nach Erdöl zu bohren?

Die Nachfrage nach Erdöl hat ihren Zenit überschritten und wird nie wieder auf das Niveau von vor der Corona-Krise zurückkehren. Das ist keine Aussage von Friday for Future oder anderen Umweltschützern und auch kein Resultat eines Blicks von Zukunftsforschern in die Glaskugel. Die Prognose stammt vom Branchengigant BP.

Der Energiekonzern BP richtet sich auf das Ende des Erdölzeitalters ein. Der Verbrauch werde schon bald zum ersten Mal in der Geschichte schrumpfen, heißt es im nun veröffentlichten „Energie Ausblick 2020“ des Unternehmens. Zu den Gründen zählen der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien sowie die während der Corona-Pandemie global gesunkene Ölnachfrage. Es sei fraglich, ob der Verbrauch jemals wieder auf das Niveau vor dem Corona-Ausbruch zurückkehren werde. Selbst die optimistischste Schätzung des Konzerns für die nächsten zwei Jahrzehnte sieht die Nachfrageentwicklung „weitgehend stagnierend“.

In den kommenden drei Jahrzehnten dürfte sich nach Einschätzung von BP der Anteil der fossilen Energieträger Kohle, Gas und Erdöl mehr als halbieren. Solar- und Windkraft nehmen ihren Raum ein. Dazu kommen Atomstrom, Wasserkraft sowie Wasserstoff und Erdgas als Energieträger. Schon 2018 war es der Ölkonzern ExxonMobil, der in seiner damaligen „Energieprognose Deutschland 2018 bis 2040“ davor warnte, dass das Erdöl-Zeitalter zumindest auf den ersten großen Absatzmärkten dem Ende entgegengeht. Methan, auch als Erdgas bekannt, werde Erdöl als wichtigste Energiequelle verdrängen, hieß es.

Blick in die Wohnungswirtschaft: Die Ölheizung steht in vielen Ländern vor dem Aus

Die Bundesregierung hat im Oktober 2019 das neue Klimapaket beschlossen, um seine angestrebten Klimaziele zu erreichen und den Kauf von Ölheizungen ab 2026 verboten (Betrieb und Hybridmodelle sind darüber hinaus weiter möglich). Auch deutsche Nachbarländer arbeiten an der Abschaffung von Ölheizungen. So sind in Österreich Ölheizungen seit 2020 bei Neubauten verboten und in Dänemark sogar bereits seit 2013.

Einstieg in CO2-Bepreisung

Die Bundesregierung hat ab1. Januar 2021 eine CO2-Bepreisung für die Bereiche Wärme und Verkehr eingeführt. Über einen nationalen CO2-Emissionshandel erhält der Ausstoß von Treibhausgasen damit beim Heizen und Autofahren einen Preis. Mit einem Preis von 25 EUR pro Tonne CO2 verteuern sich Öl und Diesel um 7,9 Cent pro Liter, Benzin um 7 Cent pro Liter und Erdgas um 0,6 Cent pro Kilowattstunde.

Auch unsere Mobilität blubbert immer weniger

Sich emissionsfrei fortzubewegen wird immer beliebter. Die Grünen rieben sich Ende September verwundert die Augen, als Markus Söder auf dem CSU-Parteitag sagte: “Ich bin sehr dafür, dass wir uns ein Enddatum setzen, ab dem Zeitpunkt, an dem fossile Verbrenner mit fossilen Kraftstoffen nicht mehr neu zugelassen werden können.” Und weiter: “Das, wie es in Kalifornien gewesen ist, erscheint mir ein sehr gutes Datum dafür zu sein.” Der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat Kalifornien will Autoabgase drastisch reduzieren und ab dem Jahr 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen erlauben.

Im Norden Europas führt Vorreiter Norwegen vor, wie sich eine verkehrspolitische Wende zügig umsetzen lässt. Dank großzügiger Anreize fährt in dem Land mit seinen gut 5,2 Millionen Einwohnern schon jetzt jeder zweite Neuwagen hybrid oder elektrisch. Die Quote von reinen E-Autos lag 2019 unter den Neuzulassungen bei 42,4 Prozent und 2020 wurde die 50-Prozent-Marke in einzelnen Monaten bereits übertroffen.

Wie sehen die Entwicklungen der Elektromobilität in Deutschland aus? Der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sieht den Elektro-Markt mit großen Zuwächsen auf Rekordkurs. In den ersten 3 Quartalen 2020 wurden über 200.000 Elektrofahrzeuge zugelassen (plus 174 Prozent). Dazu zählen rein batteriebetriebene Elektroautos, Plug-In-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge. Sie erreichten in den ersten neun Monaten 2020 einen Anteil am Gesamtmarkt von 10,0 Prozent, nach rund 3 Prozent im Jahr 2019.

Was bedeutet weniger Erdöl für die Energiewirtschaft?

Die Stromversorgung in Deutschland wird Jahr für Jahr „grüner“. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch wächst beständig: von rund sechs Prozent im Jahr 2000 auf rund 42 Prozent im Jahr 2019. Damit wurde die Zielmarke von 35 Prozent für das Jahr 2020 vorzeitig deutlich übertroffen. Die wichtigsten drei Säulen sind dabei Windenergie, Photovoltaik und Biomasse.

Dieser Trend hält an, denn Erneuerbare Energien werden weiter ausgebaut, um die europäischen Klimaziele zu erreichen. Auch Stromspeicher werden immer relevanter. Der Branchenverband SolarPower Europe publizierte in der ersten Ausgabe des neuen europäischen Marktausblicks für Batterie-Speichersysteme, dass der europäische Markt für private Batteriespeicher in diesem Jahr trotz Corona um 9 Prozent wachsen wird und im nächsten Jahr sogar zweistellige Zuwächse erwartet werden. Führende deutsche Batterieforschungszentren wie das Meet-Batterieforschungszentrum in Münster, nahe der Wilken-Niederlassung in Greven, oder das Ulmer Helmholtz-Institut arbeiten an nachhaltigen Batterien der Zukunft, damit die Energie- und Verkehrswende gelingt.

In Sachen Verkehrswende wird Strom als „Kraftstoff“ immer wichtiger. Neben steuerlichen Förderungen bis 2030 wurde auch der Einbau privater Ladesäulen erleichtert, da mehr als 80 Prozent der Ladevorgänge zu Hause oder am Arbeitsplatz stattfinden. Der Stromspeicher-Spezialisten E3/DC kommt in einer aktuellen Umfrage zu dem Ergebnis, dass eine eigene Photovoltaikanlage in Verbindung mit intelligenter Ladetechnik es Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern erlaubt, günstigen grünen Strom für unter 10 Cent je kWh auf dem eigenen Hausdach zu produzieren, ins Auto zu laden und so den steigenden Stromkosten aus dem Weg zu gehen.

Kurzum: Neue Prosumer-Geschäftsmodelle werden zunehmen, da die Vielzahl an Gebäuden mit PV-Anlagen weiter steigen wird, inklusive der Kombinationen mit Heimspeichern, intelligenten Energiemanagementsystemen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Genau hier liegt der Fokus der Wilken-Softwareentwicklung, um von der Energieerzeugungsanlage mit oder ohne Stromspeicher bis zum flexiblen Prosumer-Geschäftsmodell alle Prozesse abzubilden. Stets unter Berücksichtigung einer Vielzahl von EEG- und KWKG-Novellen, Redispatch-Maßnahmen und anderen gesetzlichen Anforderungen und dem Anspruch, dem Prosumer-Kunden stets das ideale Angebot zu machen und eine optimale Kundenbetreuung zu gewährleisten.

Entwicklung betrifft viele Branchen

Dabei steht aber nicht nur die Versorgungswirtschaft im Fokus: Auch Wilken-Anwender aus Branchen wie den Kirchen, Versicherungen oder der Sozialwirtschaft beschäftigen sich als „Hersteller“ mit energiewirtschaftlichen Fragestellungen. Sei es als Energieproduzent im Mieterstrom mithilfe von PV-Anlagen auf dem Dach oder Blockheizkraftwerken im Keller. Oder als Betreiber von Ladestationen für eigene Elektroautos. Mit Hilfe der E-Mobilität könnten beispielsweise auch branchenübergreifende Car-Sharing-Modelle aufgebaut werden: Das Apotheken-Fahrzeug steht künftig nicht mehr zwischen den Lieferfahrten oder am Wochenende ungenutzt auf dem Parkplatz sondern wird auch als Pflegefahrzeug genutzt oder steht für die Vermietung im ortsansässigen Hotel zur Verfügung. Der Ausstieg aus der Mineralölwirtschaft wird so eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle ermöglichen.

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