MaKo 2020: The next Level of Marktkommunikation

Die Einführung der neuen MaKo 2020 läuft auf vollen Touren. Nicht nur für die Software-Anbieter und IT-Dienstleister ist die Umstellung auf das sternförmige Kommunikationsmodell eine große Herausforderung, sondern auch für die Unternehmen selbst. Denn die neue Marktkommunikation ist deutlich komplexer und die Projekte sind eng getaktet.

Dieser Artikel ist auch in der Fachzeitschrift 50,2 Ausgabe 06/2019 erschienen

Schon die Anzahl der Seiten, auf denen die MaKo 2020 beschrieben ist, zeigt, dass sie es in sich hat. Reichten beispielsweise bei der Beschreibung des Stammdatenaustauschs per UTILMD bisher 134 Seiten aus, kommt die neue Version ab dem 1. Dezember 2019 auf 280. „In der Anwendung hat die Komplexität nochmals deutlich zugenommen. Damit wird es zunächst einmal nicht einfacher, ein erklärtes Ziel der Digitalisierung der Energiewende, nämlich ein deutlich höheres Maß an Automatisierung der Geschäftsprozesse, zu erreichen“, weiß Timea Urban, Teamleiterin Marktkommunikation bei der Energiehandel Dresden GmbH. Eine der größten Herausforderungen war für sie deswegen zunächst, die MaKo 2020 in Gänze zu durchdringen. „Egal welche Marktrollen Sie besetzen oder wie viele Zählpunkte Sie beliefern, sie müssen alles gelesen haben und alle Prozesse genau kennen. Sonst können die zahlreichen unterschiedlichen Regelungen wie etwa die Fristen beim Lieferantenwechsel dazu führen, dass die regelkonforme Umsetzung nicht funktioniert“, erklärt Timea Urban. Auch die Komplexität der sternförmigen Kommunikation, die nun aus dem Backend des MSB erfolgt, oder die neuen Bilanzierungsprozesse für Strom-Marktlokationen mit intelligenten Messsystemen (iMsys) mit der Datenaggregation durch den Übertragungsnetzbetreiber müssen erst einmal verstanden werden. Der Aufbau des entsprechenden Know-hows im Team hatte deswegen für sie schon vor Start des eigentlichen Projekts absolute Priorität.

Datenmodell für MaKo 2020 angepasst

Um sich optimal auf die Umstellung vorbereiten zu können, stellte sich die Energiehandel Dresden GmbH ihrem Software-Lieferanten Wilken als Projektpartner zur Verfügung. Denn das neue Marktmodell hat auch zahlreiche Konsequenzen für die Anwendungen selbst. So musste beispielsweise das Datenmodell der im Einsatz befindlichen Lösung Wilken ENER:GY angepasst werden. „Beispiel OBIS-Codes: Mit der MaKo 2020 sind diese Kennzahlen jetzt klar geregelt. Wer die OBIS-Codes bislang nicht konsequent gepflegt hat, weil die Notwendigkeit nicht so groß war, kommt jetzt nicht mehr darum herum, sie komplett zu bereinigen“, erklärt Ute Armbruster, die auf Wilken-Seite als Projektleiterin für die Umstellung verantwortlich zeichnet. Der Datenanalyse kam deswegen in der Projektphase 1 eine zentrale Bedeutung zu. „Hier haben wir gemeinsam mit den Wilken-Spezialisten zunächst einmal unsere individuelle Umgebung genau unter die Lupe genommen. Denn natürlich müssen unsere Reports auch mit dem neuen Datenmodell weiter funktionieren, selbst wenn einzelne Datenfelder künftig wegfallen und andere dazukommen“, berichtet Natalie Mokelke, bei den Stadtwerken Konstanz verantwortlich für das Energiedatenmanagement. Eine hohe Datenqualität gehört für sie deswegen auch zu den Erfolgsfaktoren für die Umstellung. Basierend auf der Analyse wurden anschließend die für jeden Anwender spezifischen Umstellungskonzepte erarbeitet, auf deren Basis nun die weitere Implementierung erfolgt. In den Konzepten ist genau festgehalten, welche Aufgaben von Wilken oder vom Kunden selbst erledigt werden müssen. Denn von den letzten Datenkorrekturen über die Installation der neuen Version auf der Testumgebung bis hin zur Produktivsetzung sind in diesem Projekt alle Maßnahmen und Meilensteine genau terminiert. „Die Anforderungen bei der MaKo 2020 sind nochmals höher, als bei der Umstellung auf MaLo/MeLo, und die hatte es schon in sich“, erläutert Ute Armbruster. Deswegen wurde mit den Wilken-Kunden auch ein strikter Terminplan vereinbart sowie ein eigenes Team aufgestellt, dass nur für diese Migration zuständig ist. „Positiv dabei ist schon jetzt, dass so alle Unternehmen von den gemachten Erfahrungen profitieren. Wird bei einem Anwender ein Problem gelöst, werden diese Informationen mit den anderen geteilt. Das spart Zeit und erhöht die Prozessqualität“, berichtet Timea Urban. Ein weiterer großer Schwerpunkt ist für den Lieferanten auch das Thema Prozessintegration. „Wir setzen neben Wilken auch Lösungen anderer Hersteller ein, etwa für das BKV-EDM. Deswegen müssen wir jetzt schon im Vorfeld sicherstellen, dass die Daten auch nach dem 1. Dezember 2019 sauber zwischen diesen Lösungen ausgetauscht werden“, so Urban.

MaKo 2020 bietet auch Chancen

Für die Energiehandel Dresden GmbH ist die neue MaKo 2020 aber nicht nur eine lästige Pflicht, sondern bietet auch Chancen, sich neu aufzustellen. So wird das Portfolio gerade bei den Services ausgebaut. „Wir positionieren uns hier künftig auch als zentraler Ansprechpartner rund um alle Fragen des Messstellenbetriebs. Schon jetzt spüren wir einen verstärkten Erklärungsbedarf, der weiter zunehmen wird. Schließlich treffen die neuen Marktregeln einen weitaus größeren Kundenkreis als bisher. Und auch bei den Prozessen selbst bis hin zur Abrechnung betreten wir gemeinsam mit unseren Kunden Neuland.“, so Timea Urban. Künftig müssen sich auch Gaststätten oder Autowerkstätten mit Themen auseinandersetzen, die bislang allenfalls für RLM-Kunden interessant waren, wie etwa die Problematik der rückwirkenden An- und Abmeldung neuer Lieferanten. Auch die grundlegenden Prozesse rund um den künftigen Messstellenbetrieb müssen immer wieder erläutert werden. „Neulich fragte ein Kunde, ob wir denn künftig zum Ablesen der Stromzähler aus Dresden zu ihm nach Saarbrücken kommen. Darüber mag manch einer lächeln. Solche Fragen machen aber deutlich, dass wie hier stärker als Ansprechpartner gefordert sind, als bisher“.

Pünktlicher Start am 1. Dezember 2019

Nach der Datenanalyse und der Konzeption steht nun die Projektphase „Ready for MaKo“ an, in der die neuen Strukturen und Prozesse implementiert und intensiv getestet werden. Bis spätestens Mitte Oktober geht es dann bei allen Unternehmen unter dem Motto „Fit for MaKo“ in den Endspurt. Begleitet von Schulungen für die betroffenen Teams werden die Abläufe optimiert, letzte Fehler bereinigt und schließlich das Produktivsystem für den Start am 1. Dezember eingerichtet. Trotz des Termindrucks und der vielen Anforderungen, sind sowohl die Stadtwerke Konstanz als auch die Energiehandel Dresden GmbH optimistisch, dass die Umstellung erfolgreich und vor allem termingerecht umgesetzt wird. „Wir liegen absolut im Zeitplan und wissen genau, was wann und wie noch umgesetzt werden muss. Deswegen sind wir sicher, dass wir in unserer neuen Rolle als grundzuständiger Messstellenbetreiber pünktlich zum 1. Dezember mit der sternförmigen Kommunikation starten können“, meint Natalie Mokelke. Und Timea Urban ergänzt: „So wie das Projekt bislang aufgesetzt und gemanagt wurde, mache ich mir da keine Sorgen. Und bei allem Stress muss man sich auch bewusst machen, dass ja der ganze Markt betroffen ist. Damit steht man nicht allein vor solch großen Herausforderungen“.

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