Messdaten sind das Fundament der Smart City

Der Begriff der „Messdaten“ ist derzeit einem starken Wandel unterworfen. Während man darunter in der Versorgungswirtschaft klassisch nur die „Meter Data“, also die Daten aus dem Strom-, Gas- oder Wasserzähler verstanden hat, reden wir künftig über alle gemessenen Daten – egal aus welcher Quelle sie stammen. Um diese zentral verarbeiten, verteilen oder auch abrechnen zu können, ist ein neuer Typus von Messdatenmanagementsystemen (MDM) notwendig.

Dieser Artikel erschien auch in der 50,2 Ausgabe 03/2020

Mehr als nur „Zählerdaten“

Bislang war das MDM in peripheren Systemen wie dem Energiedatenmanagement oder neuerdings auch der Gateway Administration angesiedelt. Damit einhergehend fehlte in der Regel eine tiefe Integration in die operativen ERP- und Abrechnungslösungen. Spätestens mit dem Start der MaKo2020 war dieser Ansatz eigentlich obsolet. Denn durch die prozessuale Entflechtung wurde auch das Datenmanagement immer komplexer. Dazu kommen neue Herausforderungen, beispielsweise bei der Entwicklung von Diensten für die künftigen Smart Cities. Das hat uns dazu gebracht, das Thema Messdaten und MDM grundsätzlich zu überdenken. Die tiefe Integration in die operativen Systeme ist für ihn dabei ein ganz wesentlicher Faktor: Neben Strom, Gas, Wasser oder Wärme im Sinne von Fernwärme spielen eine ganze Reihe von weiteren Messdaten künftig eine wichtige Rolle, wenn es um die Umsetzung von neuen Geschäftsmodellen geht. Dabei ist es kontraproduktiv – wie heute üblich – mit Dutzenden von ‚Software-Rucksäcken‘ zu arbeiten.

Beispiel Heiz- und Nebenkostenabrechung

Ein gutes Beispiel ist für ihn die Heiz- und Nebenkostenabrechnung: Die derzeitigen Platzhirsche in diesem Feld liefern einmal jährlich eine Abrechnung, die meist intransparent und für den Kunden wenig nachvollziehbar ist. Über eine direkt an das Messdatenmanagement angebundene Heiz- und Nebenkostenabrechnung ist es dagegen nicht nur möglich, auch diese Daten zentral zu sammeln, zu verarbeiten und abzurechnen. Damit lassen sich vielmehr alle energetischen Daten miteinander in Beziehung setzen. Auf diese Weise erhält der Kunden ein umfassendes Gesamtbild seines Energieverbrauchs und es können ihm auf dieser Basis energetische Maßnahmen empfohlen werden, über die er sein Verbrauchsverhalten insgesamt optimieren kann. Damit lassen sich nicht nur entsprechende Dienstleistungen für die ortsansässige Wohnungswirtschaft umsetzen. Gerade auch für den Bereich der kommunalen Liegenschaftsverwaltung könnten Stadtwerke hier neue Angebote aufbauen.

Messdaten über LoRaWAN & Co.

Ein weiteres Feld ist das der neuen Sensorik, die über das LoRaWAN oder IoT-Plattformen ihre Werte in das Messdatenmanagement einspeisen. Denn darüber lassen sich beliebige zusätzliche Datendienstleistungen aufsetzen. Ein ganz profanes Beispiel ist die Freihaltung von Rettungswegen, die sich über die Integration von entsprechend angebrachten Sensoren realisieren lässt. Weitere einfache Datendienstleistungen können aber beispielsweise auch die Überwachung von Pegelständen in Regenüberlaufbecken oder im Abwasserbereich sein. Aber auch Problematiken, wie sie die Ladesäulen im öffentlichen Parkraum mit sich bringen, können darüber gelöst werden. Denn der Parkplatz an der Ladesäule sollte nicht länger als nötig besetzt sein. Über die Zusammenführung der Daten aus der Säule und der Parksensoren davor könnte dem E-Autofahrer signalisiert werden, dass er umparken sollte, wenn das Auto geladen ist. Sonst könnte beispielsweise eine deutlich höhere Parkgebühr fällig werden. Gleichzeitig wäre es möglich, ihm via App den Weg zum nächstgelegenen freien Parkplatz zu weisen.

Alle Kundendaten an einem Ort

Mit Zusammenführung aller Messwerte in einem zentralen Messdatenmanagement entstehen auch ganz neue Cross-Selling-Potenziale. Denn man kann die unterschiedlichen Informationen nutzen, um dem Kunden auf Basis seiner Gewohnheiten sehr individuelle Angebote zu machen. Viele Stadtwerke sind ja auch auf weiteren Feldern aktiv, wie etwa beim Bäder- und Parkhausbetrieb oder im ÖPNV. Wenn alle diese Daten in einem zentralen Datenmanagement verfügbar wären, sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Denn das zentrale Messdatenmanagement unterstützt am Ende eine 360-Grad-Sicht auf jeden Kunden. Wichtig ist es, dass das zentrale Messdatenmanagement in der Lage ist, alle eingehenden Daten automatisiert zu validieren, zu verarbeiten und den weiterführenden Systemen, von der Abrechnung bis hin zu App-basierten Diensten, zur Verfügung zu stellen. So könnte energieeffizientes Verhalten mit einer Freifahrkarte für den ÖPNV belohnt werden. Oder ein treuer Stromkunde erhält nach fünf Jahren eine entsprechende Anzahl an freien Ein- und Ausfahrten in das Parkhaus.

In einem weiteren Schritt lassen sich dann auch diejenigen Datenquellen einbinden, die im Rahmen der Entwicklung zur Smart City für die unterschiedlichsten Zwecke eingerichtet werden. So wird das Messdatenmanagement zu einem zentralen Element bei der Transformation des Stadtwerks zum „Digital-Versorger“.

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