Vom Hörsaal in die Küche

SCRUM in der Suppenschüssel

Studierende der Hochschule Ulm absolvieren im 5. Semester des Studienfachs Wirtschaftsinformatik ein sogenanntes „Praxisprojekt der Wirtschaftsinformatik“. Es ist Vorgabe, diese Projekte in SCRUM-Teams zu realisieren. Da wir uns bei Wilken ebenfalls mit SCRUM-Teams organisieren und uns auch in der Methode ausbilden, ist unter Daniel Paulmaier mit dem SCRUM-Cooking ein sehr effizientes Schulungskonzept entstanden. Im Oktober gab es dazu zwei Termine, in denen drei SCRUM-Teams den Schulungstag absolviert haben. Aber nicht nur für die Studenten war das ein besonderes Seminar. Für mich war es ebenfalls eine Premiere: Denn ich habe diesen Workshop das erste Mal alleine veranstaltet. Mit dem Ziel, allen Teilnehmern einen möglichst lehrreichen aber auch unterhaltsamen Tag zu bieten.

Der Tag beginnt

10 Uhr: Das SCRUM-Cooking hat für mich und meine Gruppe Studenten begonnen. Erst einmal steht Theorie auf dem Plan: Warum agil? Was bedeutet eigentlich „SCRUM“? Was sind Rollen, Artefakte, Roadmaps? Dies und vieles mehr muss ich erst einmal vorstellen.

Nach zwei Stunden Wissensvermittlung raucht bei allen der Kopf. Aber es gibt den ersten Lichtblick: Die erste Mahlzeit an diesem Tag! Die Studenten sind begeistert von unserem ulmerflieger, der tollen Aussicht und dem Essen, das wir hier jeden Tag im Casino serviert bekommen. Da kann die Hochschulmensa nicht ganz mithalten. Aber jede Pause hat ein Ende.

Aufstehen und selber machen

Nach der theoretischen Einleitung kommen wir nun zum praktischen Teil des Workshops. Ich schlüpfe in die Rolle des Product-Owners und stelle das Ziel des Tages vor: ein leckeres 3-Gang-Menü für alle Teilnehmer in ansprechender Atmosphäre zu zaubern. Die Produktvision für den heutigen Tag ist also bekannt. Anschließend stelle ich das Product-Backlog vor. Also alle Anforderungen, die zur Erfüllung des Zieles erledigt werden müssen. Und dann dürfen die Studenten endlich aktiv werden. Es wird Poker gespielt. Natürlich nicht die klassische Variante aus den Casinos, sondern „Planning-Poker“. Eine SCRUM-Methode um Aufwände zu schätzen. Es wird also nachgefragt, geschätzt, diskutiert, erneut geschätzt – und letztendlich ist sich die Gruppe mehr oder weniger einig, wie aufwändig die einzelnen Aufgaben sein werden.

Der erste Sprint

Nachdem jetzt allen klar ist, wohin die Reise heute geht, beginnt der erste Sprint. Ein Sprint dauert im Alltag normalerweise zwischen zwei und vier Wochen. Da wir diese Zeit natürlich nicht haben, wird das Ganze auf 60 Minuten herunter gebrochen. Also erst einmal den Timer stellen und los geht’s. Wie zuvor theoretisch erklärt, starten wir mit dem Sprint-Planning I. Also werden die notwendigen Anforderungen vom Product-Backlog in das Sprint-Backlog verschoben. Danach werden diese im Sprint-Planning II auf einzelne Arbeitsschritte verteilt und die Studenten können mit der Umsetzung loslegen: Welche Rezepte sollen gekocht werden? Wer übernimmt welchen Gang? Und wollen wir dem Abend ein Motto geben? Alles Entscheidungen, die das Team selbstständig und eigenverantwortlich lösen muss, ohne das Gesamtziel aus den Augen zu verlieren. Dazwischen noch das Daily, um den Überblick zu behalten. Und im Hintergrund tickt ständig die Uhr.

Der erste Sprint ist schnell vorbei und die Studenten konnten alle Aufgaben in der Review zur vollen Zufriedenheit des Product Owners vorstellen sowie in der Retrospektive den zurückliegenden Sprint beurteilen um die Zusammenarbeit im Team zu verbessern. Bevor es aber weitergeht, steht erstmals ein räumlicher Wechsel bevor: Es geht runter in die Kantine und endlich in die Küche.

Mixer oder Betonmischer?

In der Kantine angekommen, beginnt schon der nächste Sprint. Kaum ist Planning I und II abgeschlossen, werden die Schürzen verteilt und es geht ans Kochen. Die Studenten müssen sich erstmal in der doch etwas größeren Küche zurechtfinden. Denn die kann man kaum mit einer klassischen WG-Küche vergleichen. Da wird im ersten Moment das Gemüse auf dem falschen Brett geschnitten und der Mixer mit einem Betonmischer verwechselt. Und wie sehen eigentlich Pastinaken aus? Doch mit Hilfe von Küchenchef Harald Laatsch bleiben alle Finger dran und die Gerichte nehmen Form an. Nicht zu vergessen bleibt jedoch die stetig tickende Uhr mit den festgelegten Zeiten für die Dailys und die weiteren Scrum-Meetings. So vergeht Sprint um Sprint und aus den rohen Zutaten werden Suppen, Soßen, Beilagen und Törtchen gezaubert – gleichzeitig werden die Studenten immer sicherer im Umgang mit der SCRUM-Methode. Sogar eine überraschende Änderung im Plan bringt sie nicht aus dem Konzept, ein Vorteil der agilen Vorgehensweise.

Herbstlicher Ausklang

19 Uhr: Pünktlich sitzen alle am Tisch und genießen den ersten Gang bei einer zweifarbigen Kürbissuppe. Dazu passend die herbstliche Tischdekoration, die eine Studentin schnell unter einem der umliegenden Bäumen gesammelt hat. Es folgt als Hauptgang Kalbshüfte im Blätterteigmantel mit Pastinaken und Kartoffeln und als Abschluss ein Schokoladentörtchen mit marinierten Mandarinen. Dazu gibt es für jeden Geschmack Wein, Bier und entspannte Stimmung. Immerhin haben wir das heutige Tagesziel und gleichzeitig die Produktvision zur vollsten Zufriedenheit erfüllt, dürfen ein leckeres 3-Gänge-Menü genießen. Und wir haben neben der SCRUM-Methode auch noch gelernt, wie Pastinaken aussehen.

Und auch ich kann mich jetzt zurücklehnen und das Essen genießen. Denn mein persönliches Ziel, den Studenten einen möglichst lehrreichen aber auch unterhaltsamen Tag zu bieten habe ich, dem Feedback zu folgern, auch geschafft.

 

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