Versorgungswirtschaft

So nicht: Keine Digitalisierung ohne Prozessintegration

Woran es bei der Digitalisierung der Energiewirtschaft hapert, zeigt sich beispielhaft, wenn man mit seinem neuen Elektrofahrzeug an einer Stromzapfsäule halt macht. In jeder Stadt gibt es andere Tankkarten oder Registrierungsverfahren. Bei dem einen Anbieter kostet der Strom nach wie vor nichts, weil das Abrechnungssystem nicht angebunden ist. Bei anderen ist Strom tanken teurer als Benzin, weil die IT nicht in der Lage ist, marktgerechte und transparente Tarife abzubilden und anzubieten. Von einheitlichen Standards oder gar Roaming-Angeboten mit der Möglichkeit, die Tankfüllung über den heimischen Liefervertrag abzuwickeln, sind wir meilenweit entfernt. Der Grund: Statt Prozessintegration und einheitlicher Standards entstehen vielerorts Insellösungen, die keine Anbindung an die operativen Systeme von Versorgungsunternehmen haben. Und das gilt nicht nur für die Elektromobilität.

Warten auf den Rollout

Die fehlende Prozessintegration ist das eine Manko, die Überregulierung das andere. Das beste Beispiel ist der Smart-Meter-Rollout: Mit den neuen intelligenten Messsystemen bauen wir an einer der sichersten Smart-Meter-Infrastrukturen der Welt. Das ist zunächst einmal positiv. Denn wenn die Infrastruktur ersteinmal steht, haben wir tatsächlich eine technische Lösung, die beispielhaft ist. Doch vor lauter „Bauen“ kommt der Rollout nicht ins Laufen. Wenn bis zum kommenden Jahr tatsächlich die ersten drei zertifizierten Gateways zur Verfügung stehen werden, haben wir bereits zwei Jahre gegenüber dem ursprünglich geplanten Starttermin verloren. Damit verschieben sich aber auch alle Mehrwertlösungen, über die die Versorgungsunternehmen neue Geschäftsmodelle erschießen könnten, um die Energiewende auch wirtschaftlich als Chance nutzen zu können (siehe auch Beitrag „Gateway-Administration: Starten, nicht warten!“).

Keine Insellösungen

Um die Energiewende tatsächlich zum Erfolgsmodell zu machen, ist ein Umdenken nötig. Die Dezentralisierung in der Energieerzeugung funktioniert nicht mit Insellösungen. Dazu gehören Standards und durchgängige Datenflüsse. Auch wenn Technologien wie die Blockchain für die Zukunft hocheffiziente und sichere Lösungen versprechen, gilt es im Hier und Heute erstmal unsere Hausaufgaben machen. Dazu müssen auch wir als Anbieter über unseren klassischen Tellerrand schauen. Dabei es geht darum, auch unsere klassischen ERP-und Abrechnungssysteme fit für die digitale Prozessintegration zu machen. Deswegen haben wir vor drei Jahren unsere neue Plattform P/5 aufgesetzt, mit der wir in der Lage sind, genau diese Anforderungen abzubilden. Und das nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt, denn es zählt auch „Time to Market“.

Stadtwerke müssen digitale Versorger werden

Dabei geht es nicht nur um die klassischen Versorgerthemen. Die Stadtwerke der Zukunft haben heute die Chance, auch zum „digitalen“ Versorger werden, der die Netze und die Infrastrukturen für die digitale Smart City betreibt. Daten, die über Lora-WANs gesammelt werden, müssen dabei ebenso verarbeitet werden, wie die Messwerte von Verbrauchern und Erzeugern.

Auch auf der Vertriebsseite bietet die Digitalisierung große Chancen. Vom Kundenportal über das CRM und Lösungen wie Easy Market bis hin ins E-Marketing müssen die Informationen intelligent verknüpft und aufbereitet werden. Denn es genügt nicht mehr, den Kunden frontal nach dem Schrotflintenprinzip anzusprechen. Der Kunde will heute ganz persönlich und je nach individueller Interessens- und Lebenslage sowie auf dem für Ihn passenden Kanal angesprochen werden. So kann ein Dialog aufgebaut werden, in dem er sich wiederfindet.

Eine Vielzahl von Werkzeugen für alle diese Anforderungen existieren bereits. Sie müssen nun orchestriert und dirigiert werden. Hier sehen wir unsere Rolle als Software-Hersteller. Denn nur mit der Gesamtsicht auf alle Prozesse können diese durchgängig digitalisiert werden.

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