Alle Augen auf den Patienten

Strategien für die digitalisierte Pflege

Wie der Pflegenotstand am Ende politisch gelöst werden kann, wissen auch wir nicht. Das Problem ist und bleibt aber wohl auch für die nächsten Jahre: Es ist zu wenig Zeit für den einzelnen Patienten oder Pflegebedürftigen übrig. Darunter leidet nicht nur die Qualität der Pflege. Es kommt zu Fehlern, der Stress und die Frustrationen der Pflegekräfte nehmen zu – mit all den weiteren negativen Folgen für die am Pflegeprozess direkt Beteiligten. Bei unseren Überlegungen für die künftigen Weiterentwicklungen für die digitalisierte Pflege haben wir deswegen die Pflegekraft und den Patienten in den Fokus gerückt. Denn wenn es gelingt, alle Prozesse und Informationsflüsse so auszurichten, dass das Pflegepersonal dabei unterstützt wird, dem einzelnen Patienten ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit schenken zu können, ist schon sehr viel gewonnen.

Vorbild Ulmer ePA?

Eine zentrale Rolle in unserer Digitalisierungsstrategie für die Pflege spielt die elektronische Patientenakte – kurz: Ulmer ePA. Das Besondere daran: Sie wurde gemeinsam mit dem Anwender für den Anwender entwickelt, in diesem Fall in Kooperation mit der Ulmer HNO-Klinik. Bei der Entwicklung kristallisierte sich schnell heraus, dass nur die gelebten Behandlungspfade in der Klinik die Vorlage für die Optik, Bedienung und Inhalte der Ulmer ePA sein konnten. Dieser Ansatz führte dazu, dass die Anwendung funktionell schon bald weit über das hinausging, was in der Medizin seinerzeit gemeinhin als „elektronische Patientenakte“ angesehen wurde. Ein direkter Mehrwert für den Arzt und für die Verwaltung im Klinikum kann sich nur ergeben, wenn die Anamnese-, Diagnose- und Abrechnungsprozesse aktiv unterstützt werden. Eben wie bei der Ulmer ePA. Die Lösung stellt inzwischen ein vollwertiges medizinisches Informationssystem dar, das aber in erster Linie die Arbeit des Arztes abbildet.

Alle Augen auf den Patienten

Mithilfe der Ulmer ePA erfassen die Mitarbeiter der HNO-Klinik Ulm den vollständigen medizinischen Ablauf aller ambulanten und stationären Patientenprozesse. Angefangen von der Patientenaufnahme über die OP-Pflegekraft bis hin zu den Assistenz- und Chefärzten arbeitet das komplette Personal damit – nicht nur über stationäre Rechner, sondern auch mobil, beispielsweise über Microsoft-Surface-Tablets. Die Verlaufsdokumentation, alle Haupt- und Nebendiagnosen, Noxen, Medikamentenallergien inklusive einer Historie sowie sämtliche durchgeführten Behandlungen stehen auf einen Blick zur Verfügung. Arztbriefe, Konsile und Dokumente wie Checklisten, Allergiebögen, Laborberichte und Fotos werden genauso abgebildet wie die Dienst-, Urlaubs- und OP-Planung – es wurde keine Information vergessen. Zusätzlich ist eine interne Leistungsverrechnung integriert.

Entwicklung für die digitalisierte Pflege mit der Pflege

Nun ist der ärztliche Prozess in einer Klinik nicht einfach auf die klinische Pflege oder gar die Altenpflege übertragbar. Denn die Pflegekraft hat andere Aufgaben und deshalb eine andere Sicht auf ihre Patienten. Aber im Kern, so unsere Idee, wäre eine digitale Pflegeakte mit einer ähnlichen Ausrichtung wie die Ulmer ePA ein ideales Instrument, die digitalisierte Pflege voranzubringen. So könnten beispielsweise zusätzlich Vitalwerte wie Blutdruck, Puls oder Temperatur in die Patientenakte eingespielt und in Echtzeit zur Verfügung gestellt werden. Über Armbänder mit Barcode könnten Verwechslungen von Pflegebedürftigen sicher ausgeschlossen werden. Die Digitalisierung bietet hier Chancen, die Pflegedokumentation zu vereinfachen und die Pflegekräfte zeitlich zu entlasten.

Ideen für die weitere Entwicklung gibt es also viele. Der nächste Schritt wird es aber sein, gemeinsam mit Anwendern zu überlegen, wie wir die elektronische Pflegeakte am besten in die gelebten Prozesse der Pflege integrieren können. Was können wir beispielsweise direkt aus der Ulmer ePA übernehmen und wo müssen wir ergänzen, beziehungsweise ganz neue Funktionalitäten einbauen?  Die Erfahrungen mit der Ulmer ePA haben jedenfalls gezeigt, dass das Personal mehr Zeit für den Patienten gewonnen hat, weil viele manuelle Tätigkeiten digitalisiert und damit auch automatisiert werden konnten. Zeit ist Geld! Zeit ist aber auch Qualität, denn sie kann für die persönliche Betreuung der Patienten und Pflegebedürftigen eingesetzt werden. So könnte die digitalisierte Pflege zu einem kleinen Baustein bei der Lösung des Pflegenotstands werden.

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