Gesetz ist auf dem Weg

Strommarkt Schweiz: Kommt die Öffnung?

Das Gesetz zur Marktöffnung im Strommarkt Schweiz ist auf dem Weg: Unter dem Titel «Änderung des Stromversorgungsgesetzes (volle Strommarktöffnung, Speicherreserve und Modernisierung der Netzregulierung)» wurde die Teilrevision im Oktober in die Vernehmlassung gegeben. Die Frist läuft per 31. Januar 2019 ab.

Was bedeutet Vernehmlassung?

Die Vernehmlassung ist der Schritt im Schweizerischen Gesetzgebungsverfahren, in dem zu einem publizierten Gesetzesentwurf Stellung genommen werden kann. Nach der Bereinigung des Gesetzesentwurfs läuft dieser weiter durch die zwei Schweizer Kammern National- und Ständerat. Nehmen beide Räte den Gesetzesentwurf an, könnte folgend innert 100 Tagen das Referendum (ein Veto) ergriffen werden. Dann würde es zu einer Volksabstimmung kommen.

Fazit: Der Gesetzesentwurf zur Marktöffnung ist auf dem Weg. Ob er auch durch kommt ist noch offen.

Strommarkt Schweiz seit 2002

Die Strommarktöffnung begleitet mich nahezu seit meinem Eintritt im Jahr 2000 in die Energiebranche: Bereits im Jahr 2002, zwei Jahre nach meinem persönlichen Energiemarkteintritt bei der Bernische Kraftwerke BKW, wurde von den Schweizerinnen und Schweizer das Elektrizitätsmarktgesetz (EMG) abgelehnt – und damit die Öffnung des Marktes. Aufgrund laufender Verfahren vor dem Bundesgericht (Fallweise Durchleitung), war ich schon damals in Projekte involviert, in denen es darum ging, mögliche neue Vertriebsprozesse aufzuzeigen und diese zu analysieren – auch hinsichtlich der möglichen Unterstützung durch moderne Softwarelösungen.

2003 hat das Bundesgericht der «Fallweisen Durchleitung» dann stattgegeben. Aus diesem Grund wurde eine neue Verordnung zum Strommarktgesetz erarbeitet. Dabei wurde beschlossen, zuerst Grosskunden mit einem Verbrauch grösser 100’000 kWh in den freien Markt zu entlassen. Das Gesetz hierzu trat mit Wirkung zum 1. April 2009 in Kraft. Geplant war, dass die Privatkunden fünf Jahre später in den freien Strommarkt Schweiz folgen. Unter dem Motto «Gut Ding braucht Weile» wurde die Umsetzung jedoch immer wieder Verschoben.

Warum also jetzt gerade der Vorstoss zur Öffnung?

Von verschiedenen Seiten werden folgende zwei Thesen eingebracht:

  • Man möchte bei den laufenden neuen Vertragsverhandlungen mit der EU nicht um die Marktöffnung verhandeln müssen, beziehungsweise positive Signale senden, um bei anderen Themen ein Entgegenkommen der EU zu bewirken
  • Die Strompreise erholen sich. Wäre die Marktliberalisierung früher gekommen, wäre ein erheblicher Konkurrenzdruck entstanden, den einige Energieversorger nicht überlebt hätten. Der Umbruch wäre zu schnell gegangen. Mit massiven Auswirkungen auf die EVU-Landschaft in der Schweiz, welche Volkswirtschaftlich eine wichtige Bedeutung hat

Strommarkt Schweiz wird liberalisiert

Volle Strommarktöffnung oder doch nicht?

Im Bericht unter «1.3.8 Wahlfreiheit im Messwesen» wird auf die Möglichkeit zur Messdienstleistung eingegangen. Die Dienstleistung wird geöffnet für Verbraucher > 100 MWh oder mit einer Anschlussleistung > 30 kVA. Für die Beurteilung der Angemessenheit von Kosten und Gewinn im Energievertrieb in der Grundversorgung legte das ElCom den Schwellwert auf CHF 90.- fest. Ab 1. Januar 2020 gemäss «Weisung 5/2018» wird dieser auf CHF 75.- gesenkt. Bleiben solche Regularien oder «flankierende Massnahmen» bestehen, könnte allenfalls von einer Teilliberalisierung gesprochen werden.

Neue Vertriebsideen sind gefragt

Viele Energieversorger suchen auf Grund der schwindenden Margen im Stromabsatz neue Absatzmöglichkeiten und Geschäftsmodelle. Dazu gehören Themen wie Netzbau, TV/ Telefonie, Kundenproduktion für Kunden, E-Mobility & Ladestationen, Wärme oder Hausinstallationstechnik (Sicherheit). Erste Städte generieren bereits Ideen für die künftigen Smart Cities. Mit der Marktöffnung rückt aber vor allem auch die Kundenbindung in den Fokus:

  • Wie bringen wir unseren Brand positiv in die Köpfe der Bevölkerung?
  • Kennen wir die Marktbedürfnisse, um Produkte zu entwickeln, welche zukünftig erfolgreich laufen?

Erste Ideen wie ZEV (Zusammenschluss Eigenverbrauch) – für die deutschen Leser ähnlich wie Mieterstrom – sind erst der Anfang. Es laufen bereits Pilotprojekte, um die dezentral produzierte Energie in möglichst geringer Distanz um den Produktionsort zu nutzen – nicht nur im selben Haus oder der Liegenschaft. Und die Entwicklung geht weiter. So können sich möglicherweise schon bald erste Energieversorger in Richtung Gesundheitswesen aufmachen und entsprechende Dienstleistungen entwickeln. Denn mit entsprechenden Sensoren ist es heute schon möglich, zu überprüfen, ob ein Mensch beispielsweise fällt oder unnatürlich liegt und deswegen medizinische Unterstützung benötig. Die dazu nötigen IT-Kompetenzen sind heute oft schon in mittelgrossen Unternehmen vorhanden, so dass derartige Dienstleistungsangebote keine Zukunftsmusik sein müssen.

Auf die Öffnung vorbereitet

Egal, wie das laufende Verfahren letztendlich ausgeht. Mit Wilken sind Versorgungsunternehmen auf die Öffnung im Strommarkt Schweiz vorbereitet. Mit den zwei alternativen ERP-Lösungen Wilken ENER:GY und Wilken NTS.suite können wir alle Anforderungen von kleinen bis zu sehr grossen Abrechnungsmengen abbilden. Beide Lösungen sind bereits im liberalisierten Markt erprobt und auch bereits bei ersten Anwendern in der Schweiz im Einsatz. Ob Sie als Querverbundunternehmen, Unternehmen mit Centerstrukturen oder sogar als Dienstleister im B2B-Geschäft unterwegs sind: Wir kennen verschiedene Formen und passen unsere Lösungen flexibel auf Ihre Konstellation an.

Treffen Sie mich am 17./18. Januar 2019 am Schweizer Stromkongress in Bern oder vom 05. bis 07. Februar in Essen (D) an der E-World. Jederzeit stehe ich Ihnen auch für einen persönlichen Vororttermin zur Verfügung.

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