Viva España! Warum Wilken in Gijon entwickelt

„Keine Einbahnstraße: Einmal Deutschland und zurück“ lautete die Überschrift einer Wilken-Pressemitteilung 2013. Während in Deutschland talentierte Software-Entwickler immer schwerer zu bekommen waren, standen damals motivierte und gut ausgebildete Studienabgänger in Spanien auf der Straße. Deswegen rekrutierte Wilken – wie viele andere Unternehmen auch – junge Spanierinnen und Spanier und holte sie nach Deutschland. Aber nicht, um sie auf Dauer hier zu beschäftigen, sondern mit der Option auf Rückkehr. 2017 war es soweit: Die Wilken-Niederlassung ging im nordspanischen Gijon an der Atlantikküste an den Start. Heute arbeiten dort 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Ende des Jahres werden es 40 sein.

„Die Deutschen“ in Gijon

„Die Deutschen“ werden unsere Kollegen in Gijon von den Mitarbeitern der benachbarten Firmen genannt. Und das ist keineswegs abwertend gemeint. Im Gegenteil: Schon die „deutschen“ Arbeitszeiten sind für viele Spanier durchaus attraktiver als die spanischen. Früher anfangen, eine vergleichsweise kurze Mittagspause und ein früherer Feierabend bedeuten, dass mehr Zeit für die Familie übrigbleibt. Der spanische Arbeitstag wird hingegen von einer mindestens zweistündigen Mittagspause unterbrochen und endet deutlich später. Dazu kommt, dass die spanischen Kollegen an ihren „eigenen Produkten“ arbeiten dürfen. Das ist in spanischen IT-Unternehmen eher selten der Fall. Die gehören oft zu internationalen Konzernen und der Entwickler weiß manchmal nicht genau, ob sein Programm in einem Kühlschrank oder einem Panzer angewendet wird, um es einmal überspitzt zu formulieren. „Die Deutschen“ bei Wilken hingegen arbeiten an ihrer eigenen Existenzgrundlage: Das macht den Job bei uns deutlich attraktiver und auch die Mitarbeitermotivation ist ausgesprochen hoch.

Kompetenzzentrum P/5

Schwerpunkt unserer Entwicklungsarbeit in Gijon sind die P/5-Anwendungen der zweiten Generation. Hier entstanden und entstehen beispielweise Lösungen für den Tourismus, die in Zukunft die vollständige „Customer Journey“ abbilden, von der Pre-Stay-Kommunkation über den digitalen Check-in, die digitale Gästekarte und deren Abrechnung bis hin zur After-Stay-Betreuung. Auch bei anderen Produkten für die Sozial- oder die Versorgungswirtschaft arbeitet das spanische Team Hand in Hand mit Kollegen in Ulm, Stralsund, Greven oder Arbon. Sie sind digital in virtuellen Teams organisiert, können aber auch über eigene Durchwahlen der Ulmer Telefonnummer erreicht werden. Das steigert ebenfalls die Attraktivität der Arbeitsplätze in Gijon. Die Folge: Das Team wird auch in Zukunft stark wachsen.

Enge Integration in die interne Kommunikation

Damit die Kommunikation auch sprachlich funktioniert, erhalten alle unsere spanischen Mitarbeiter einen regelmäßigen Deutschunterricht. Den hat eine fest angestellte Deutschlehrerin übernommen, die sich daneben auch um die administrativen und organisatorischen Belange der Niederlassung in Gijon kümmert. Auf diese Weise können die spanischen Kollegen auch aktiv an der internen Kommunikation teilnehmen, an die sie – wie die Mitarbeiter an den deutschsprachigen Standorten auch – direkt angebunden sind.

Die Attraktivität der Arbeitsplätze in Gijon spiegelt sich auch im Bewerberverhalten wieder: Während wir in Deutschland im Jahr 2017 froh waren, wenn auf eine Stellenausschreibung wenigstens mal eine Bewerbung einging, waren und sind es in Spanien durchschnittlich 150 pro Anzeige. Das führte dazu, dass wir unsere Verfahren im Recruiting deutlich verändern mussten. Statt klassischer Einzelgespräche starten wir heute mit einem standardisierten Online-Speed-Dating, und darüber die geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten schnell herausfiltern zu können. Ein Verfahren, das wir aufgrund der heute besseren Arbeitsmarktsituation inzwischen auch in die Ulmer Personalabteilung „importiert“ haben.

Wir starten in den spanischen Markt

Nachdem das Entwicklungsteam heute zu einem festen Bestandteil der Wilken-Familie geworden ist, sind wir nun bereit, den nächsten Schritt zu gehen und auch aktiv in die Vermarktung unserer Produkte in den spanisch-sprechenden Ländern einzusteigen. In Spanien selbst sind die Anforderungen etwa in der Versorgungswirtschaft, der Pflege und im Tourismus denen in Deutschland ähnlich, sodass wir dort unsere Anwendungen ohne größere Anpassungen platzieren können. Aber viel wichtiger: Spanien ist das Tor zu Süd- und Mittelamerika. Die Beziehungen zu den Ländern dort sind ausgesprochen eng und wir sind deswegen optimistisch, dass Wilken-Anwendungen so schon bald auch den Sprung über den Atlantik schaffen werden.

Und wer nun meint, dass wir gerne und oft nach Gijon reisen, um uns die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen und die Wärme zu genießen, irrt. Gijon liegt an der Biskaya und damit direkt an der Hauptroute der Atlantiktiefs. Das bedeutet, es ist meist windig und kalt. Und so passt der Standort auch wettertechnisch zu uns „Deutschen“.

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