Ladesäule: Schifferstadt macht Schluss mit dem Kartenwildwuchs

Elektromobilisten können ein Lied davon singen: Von einem standardisierten Abrechnungsprozess an öffentlichen Ladesäulen sind wir noch weit entfernt. Mal funktioniert die eine, mal die andere Ladekarte, und manchmal passt auch keine von denen, die man gerade dabei hat. Die Stadtwerke Schifferstadt sind hier einen anderen Weg gegangen. Sie setzen auf einen schlüsselfertigen Prozess von der Ladesäule bis zur Abrechnung. Und bezahlt wird berührungslos mit der Kreditkarte bzw. Giro-Card oder auch einfach via Google-Pay oder Apple-Pay.

Dieser Artikel ist Fachzeitschrift BWK Ausgabe 1-2/2021 erschienen. Bild: Juice Technology

Einen ersten Einstieg in das Thema Elektromobilität wagten die Stadtwerke Schifferstadt schon 2015. Mit einer ersten Ladesäule sollten damals zunächst Erfahrungen gesammelt werden: Wie kann die Ladeinfrastruktur gestaltet werden, wo lauern möglicherweise versteckte Herausforderungen, wie hoch ist die Nachfrage und vor allem auch, wie kann eine solche Infrastruktur in einer 20.000-Einwohner großen Kommune wie Schifferstadt wirtschaftlich betrieben werden? „Um Zeit und Aufwand zu sparen, haben wir uns damals entschlossen, den Ladestrom während dieser Testphase kostenfrei abzugeben. Das sollte natürlich keine Dauerlösung werden, deswegen wurde dem Punkt der Abrechnung mit Abschluss der Testphase besondere Aufmerksamkeit geschenkt“, erklärt Gerd Baumann, Technischer Leiter bei den Stadtwerken Schifferstadt.

Schlüsselfertig von der Ladesäule bis zur Abrechnung

Bevor es an den weiteren Ausbau ging, beauftragten die Stadtwerke Schifferstadt deswegen die Kommunale IT-Kooperation Stadtwerke KIK-S GmbH, an der sie mit anderen Stadtwerken beteiligt sind, mit einer Analyse möglicher Abrechnungsalternativen. Das Ergebnis: Die in anderen Städten übliche Lösung, diesen Part an einen Provider auszulagern, ist mit teilweise hohen Nebenkosten verbunden. „Egal welches Abrechnungsmodell angeboten wird – Pauschale, Abrechnung nach Kilowattstunden oder gemischte Modelle – die Kosten sind in keinem Fall zu vernachlässigen. Gleichzeitig war es unser Anspruch, die Abrechnung für jeden Kunden so einfach wie möglich zu gestalten“, erläutert Gerd Baumann. Die Stadtwerke Schifferstadt sind deshalb der Empfehlung des IT-Partners KIK-S gefolgt und so fiel die Entscheidung, eine eigene Abrechnungslösung aufzubauen, die integriert mit der im Einsatz befindlichen Branchensoftware NTS.suite der Wilken Software Group arbeiten sollte. Um den kompletten Prozess möglichst reibungslos gestalten zu können, wurde auch der Auswahl der entsprechenden Hardware, sprich: der Ladesäulen, besonderes Augenmerk geschenkt. „Die Idee war, eine schlüsselfertige Lösung zu entwickeln, die so auch anderen Stadtwerken angeboten werden kann und gerade in mittelgroßen Städten wie Schifferstadt funktioniert“, so Baumann.

Direkter Anschluss ans Netz

Fündig wurde KIK-S schließlich beim Schweizer Hersteller Juice Technology. Mit seiner neuentwickelten Ladesäule Juice Hub public bot er nicht nur die Möglichkeit, kontaktlos mit der Kreditkarte, der Girocard oder über mobile Verfahren wie Google Pay oder Apple Pay via Handy zu bezahlen. Die neuentwickelte Standsäule verfügt zudem über einen integrierten Anschlusspunkt zur direkten Netzabnahme am öffentlichen Stromnetz. Mit dem Juice Hub public ist es damit möglich, den Nutzern einen umfassenden Ladeservice zur Verfügung zu stellen, ohne dabei komplizierte und kostenintensive Zusatzinstallationen durchführen zu müssen. Der Juice Hub public verfügt über einen direkten Netzanschluss und bietet unter der Stele ebenfalls Raum für eine problemlose Installation des Erdungspfahls. So können Platz und erhebliche Zusatzkosten eingespart werden, denn es entfällt sowohl die zusätzliche Anbringung eines unschönen Verteilerschranks neben den Ladestationen wie auch die kostspielige wasserdichte Versenkung eines Verteilkastens unterflur.

Stadtwerke Schifferstadt nehmen fünfte Ladesäule in Betrieb

Mit der Zusage der beantragten Fördermittel Anfang des Jahres 2020 wurden zunächst weitere fünf Ladesäulen in Schifferstadt installiert und im Sommer in Betrieb genommen. Insgesamt stehen damit nun fünf 22-kW-Säulen mit insgesamt zehn Ladepunkten zur Verfügung. Dass das Projekt sehr zügig umgesetzt werden konnte, ist auch der großen Unterstützung durch die Stadt und deren Gremien zu verdanken. „Das Thema Elektromobilität ist nicht nur ein zentraler Baustein in unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Sie wird sich in den kommenden Jahren zu einem echten Standortfaktor entwickeln. Deswegen ist der Auf- und Ausbau der dazugehörigen Ladeinfrastruktur für uns unverzichtbar“, erklärt dazu Bürgermeisterin Ilona Volk.

Kartenzahlung erzeugt Akzeptanz

Gerd Baumann rechnet damit, dass die Möglichkeit, die Stromladung mit herkömmlichen Zahlungsmitteln abzuwickeln, zu einer deutlich stärkeren Akzeptanz führen wird. „Der Kunde muss so nicht noch eine Karte mit sich führen, sondern kann seine Ladung genauso einfach bezahlen wie den Einkauf an der Supermarktkasse“, beschreibt er die Vorteile. Die Zahlungen selbst werden über den Dienstleister VR Payment abgewickelt und direkt in das Abrechnungssystem der Wilken NTS.suite übermittelt. Über die Integration in das intercharge Netzwerk stehen die Ladepunkte zudem allen Partnern der Hubject-Plattform offen. Mittelfristig denken die Stadtwerke Schifferstadt aber auch über die Einführung einer eigenen Kundenkarte nach. „Mit einer solchen Karte, die darüber hinaus als Handy-App angeboten werden könnte, wären dann sicherlich weitere Vorteile verbunden, wie etwa ein spezieller vergünstigter Tarif für Ladestrom oder eine monatliche und verbrauchsscharfe Abrechnung der Einzelladungen“, beschreibt Gerd Baumann die Ideen. Mit der Wilken-Branchenlösung NTS.Suite wäre auch ein solches Angebot problemlos umsetzbar, denn die Wilken Software Group bietet entsprechende Kartenlösungen seit Jahren für unterschiedliche Zielgruppen wie etwa Kommunen und den Tourismus. „Ich bin sehr zufrieden, dass wir so mit Unterstützung von KIK-S eine Standardlösung geschaffen haben, die auch als Blaupause für andere Stadtwerke, die auf eine einfache, technologisch ausgereifte und wirtschaftliche Lösung für die Elektromobilität Wert legen, dienen kann“, so das Fazit von Gerd Baumann.

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